Die Menschen brauchen uns
25.11.2011, Balingen. Von Rosalinde Conzelmann
15 Jahre Ökumenische Hospizgruppe, zehn Jahre Förderverein: Mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche setzten die beiden Vereine am Mittwoch einen glanzvollen Schlusspunkt unter ihre Feierlichkeiten.
Zum Auftakt der Geburtstagsfeiern hatten die „Jubilare“ bereits im Oktober zu einem Theaterstück eingeladen. Mit einer Vernissage der Künstlerin Monika Schwenk, einem Vortrag zum Thema „Ethik am Ende des Lebens“ und einer Kinovorführung wurden die Festveranstaltungen fortgesetzt.
Der Ökumenische Festgottesdienst, den Pfarrer Christof Seisser als Vorsitzender der Ökumenischen Hospizgruppe gemeinsam mit Birgit Schafitel-Stegmann und Dr. Rolf Schlagenhauf vom Förderverein zelebrierte, stand ganz im Zeichen des Erinnerns und der Rückschau auf die wertvolle, langjährige Arbeit der beiden Organisationen. Für die feierliche, musikalische Umrahmung zeichneten Helmut Maier, Ute Hübner und das Balinger Barockensemble verantwortlich.
Das Motto der Hospizgruppe, „Jegliches hat seine Zeit“, griff Seisser im Predigertext auf. Vielfach falle es den Menschen schwer, den Tod und das Sterben zu akzeptieren: „Denn wir wollen prüfen, messen und kontrollieren, was uns gesagt wird“. Spiritualität und Glauben seien aber nicht messbar. „Wenn wir sterben, werden wir ihn erfahren.“ Mit diesen Worten von Carl Zuckmayer erinnerte Birgit Schafitel-Stegmann, dass der Tod nicht mit Schrecken und Angst verbunden sein muss.
Nach dem Schlussakkord der Orgel stellten sich die Gründer und Mitstreiter der Vereine den Fragen von SWR-Redakteur Roland Heck. „Ich wusste, dass es funktioniert“, meinte der Vater der Balinger Hospizgruppe Gotthilf Baumann. Ihm war es ein großes Anliegen, all jenen zu danken, die Hospizarbeit leisten und Sterbende auf ihrem letzten Gang begleiten. „Die Menschen brauchen uns“, lautete sein ermutigendes Schlusswort.
Auch Birgit Schafitel-Stegmann gehört zu den Gründungsmitgliedern. „Ich habe immer nur gute Erfahrung mit anderen Menschen gemacht“, teilte sie ihre persönlichen Erfahrungen mit. „Es ist ein Thema, das die Menschen angeht, über das sie reden wollen.“ „Die Leute, die diesen Dienst tun“, erleben Tiefe“, ergänzte Pfarrer Seisser.
Für Dr. Rolf Schlagenhauf bedeutet die Arbeit „nicht nur das Finanzielle zu regeln“. „Es ist unser Anliegen, Netzwerke mit Sponsoren zu knüpfen und das Tabuthema Tod in die Öffentlichkeit zu bringen“, betonte er. Viel Lob verteilte Balingens Oberbürgermeister Helmut Reitemann: „Ihre Arbeit ist ein Stück Stadtgesellschaft und eine Bereicherung für Balingen.“
Auch Bernhard Bayer, der Vorsitzende der Landesarbeitsgruppe Hospiz, würdigte die Arbeit der beiden Organisationen mit anerkennenden Worten: „Sie haben eine erstaunliche Größe, in ihrer Arbeit steckt viel Geist“.
Mit dem Appell, „Gehen Sie es an, denn Sie werden gebraucht“ , sprach er den Geburtstagsgästen aus der Seele.
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Wiedergabe des Artikels und des Fotos mit freundlicher Genehmigung des ZOLLERN-ALB-KURIER
