Erinnerung an die Liebsten

Fr, 11.04.2014

„Erbschaftsangelegenheiten“ werden in der Kreissparkasse gezeigt

Erbschaftsangelegenheiten in einer Bank? Da kann es nur um Geld, Hektar und Papierkram gehen. Doch weit gefehlt, „Erbschafts­­angelegen­­heiten“ zeigt, welche Erinnerungen man vermachen kann.

Michael Koch

Metzingen. Erben und vererben ist häufig eine steril-formale Angelegenheit, oft kommt es sogar zu Streitigkeiten über die Hinter­lassen­schaften. Als die Playing Art-Künstlerin Silvia Häfele, ehrenamtlich in der Hospizgruppe in Balingen tätig, im Zusammenhang mit Kopfschmerzen mal wieder den alltäglichen Spruch „Das hat er von mir gelernt“ hörte, kam ihr die Idee, tatsächlich mal zu schauen, was denn so alles vererbt wird.

Im Umfeld der Hospizgruppe, bei Freunden, Bekannten und auch an Prominente verschickte sie kleine Schachteln, mit der Bitte, diese, gefüllt mit einem Erinnerungsstück an Eltern oder Großeltern, wieder zurückzuschicken. Diese 63 „Erbschaftsangelegenheiten“ bilden nun die gleichnamige Ausstellung. Sie wird am Freitag, 14. März, um 19.30 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Zu sehen sind die Kunstgegenstände dann bis zum 11. April in der Kundenhalle der Kreissparkasse Metzingen am Bahnhofsplatz.

„Zu jedem Ausstellungsstück findet man auch die passende Geschichte“, erzählt Eduard Maass von der Hospizgruppe Balingen. Zum Beispiel jene eines alten Schlüssels, der zu einem längst abgerissenen Haus der Großeltern gehört, mit dem der „Spender“ unzählige Kindheits- und Jugenderinnerungen verbindet.

Oder die Geschichte eines kleinen Stückes eines Parkettbodens, mit der ein anderer anonymer Geber in seiner Kindheit gespielt hat und dabei der festen Meinung gewesen sei, dank des väterlichen Parkett-Betriebes wegen der vielen Bausteine „das reichste Kind überhaupt“ gewesen zu sein.

Bilder, Andenken, Schmuck, Teile eines Puppenhauses, das über Generationen gewachsen ist – die Palette der Ausstellungsstücke ist vielfältig. In der Summe ergeben sie ein breites Erbgut, das dem Betrachter, wenn er sich in die Geschichten einliest, „vor Rührung sogar manchmal die Tränen in die Augen schießen lassen“, wie Maass den Besuchern verspricht. Und letztlich stellt sich jeder Gast die Frage, was man selbst in so eine Schachtel als Erinnerungsstück an die eigenen Vorfahren packen würde. So könnten sich die meisten Besucher letztlich mit den Stücken und den Geschichten aus der Ausstellung identifizieren, so Maass.

Was in Balingen im November vergangenen Jahres mit der ersten Ausstellung seinen Ursprung nahm, wird noch einige Zeit durch Baden-Württemberg ziehen. „Wir sind schon bis Anfang 2015 ausgebucht“, verrät Eduard Maass. Da der Sparkassenverband das finanzielle Rüstzeug für die Ausstellung zur Verfügung stellte, sind in den meisten Fällen auch die Bankfilialen als Ausstellungsort ausgewählt worden.

Bei der Hospizgruppe Metzingen/Ermstal freut man sich ungemein darüber, dass man so früh eine Zusage für die Ausstellung in Metzingen bekommen hat. Gute, langjährige Beziehungen zu den Kollegen nach Balingen machten dies möglich, sagt Daniela Orfanidis von der Hospizgruppe Metzingen.

Eigentlicher Zweck der Ausstellung ist es, den Hospizgedanken so häufig es geht in die Öffentlichkeit zu tragen und auf das ehrenamtliche Engagement, das dort geleistet wird, aufmerksam zu machen, erklärt Eduard Maass.


Quelle: Metzinger-Uracher Volksblatt / Reutlinger Nachrichten, Ausgabe 59 vom 12. März 2014
Foto: Metzinger-Uracher Volksblatt / Reutlinger Nachrichten