Mit Kindern offen über Tod und Trauer reden

Do, 18.07.2019

Das Projekt „Hospiz macht Schule” leistet wichtige Aufklärungsarbeit bei Grundschülern / Schulen sind jetzt gefragt

Kinder mit dem Thema Tod und Sterben nicht alleine zu lassen, ist das Ziel des bundesweiten Projekts „Hospiz macht Schule”. Ab kommendem Schuljahr gibt es das Angebot nun auch im Zollernalbkreis. Gemeinsam organisiert und umgesetzt wird die Projektwoche von den Hospizgruppen im Kreis.

Zollernalbkreis. „Das Sterben und der Tod sind Themen, mit denen sich viele Menschen schwer tun”, sagt Silvia Häfele, während sie gerade Namenskärtchen für die Schüler bastelt. In der ökumenischen Hospizgruppe Balingen ist sie als Koordinatorin tätig und hat gemeinsam mit Regina Birk, Koordinatorin der Hospizgruppe Albstadt, das Projekt „Hospiz macht Schule” im Zollernalbkreis ins Rollen gebracht. Am Montagabend haben sich zehn Frauen in der Balinger Sozialstation getroffen, um die letzten Vorbereitungen für den Projektstart zu erledigen. Stück für Stück entstehen mehrere thematische Projektkisten.

„Für Erwachsene ist die Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod eines geliebten Menschen schon schwierig genug, doch auch Kinder machen solche Erfahrungen – und trauern anders”, sagt Häfele. Und vor allem hätte der Nachwuchs auch viele Fragen. Durch das Projekt „Hospiz macht Schule” sollen die jungen Menschen behutsam und in einem geschützten Raum an das Thema herangeführt werden, das gerade die Eltern oft verdrängen würden. „Oder sie wissen einfach auch nicht, wie sie mit ihren Kindern darüber sprechen sollen.”

Die Umsetzung des bundesweiten Projektes hat im Zollernalbkreis einige Zeit in Anspruch genommen. „Uns war klar, dass wir das hier in Balingen alleine nicht stemmen können”, sagt Häfele. Das Projekt umfasse fünf Tage, also eine komplette Schulwoche. „Um dem Thema und den Schülern gerecht zu werden, benötigen wir fünf Ehrenamtliche, die die ganze Woche über dabei sind”, erklärt Häfele. Und die müssten auch noch speziell geschult sein. So kam es schließlich, dass sich die verschiedenen Hospizgruppen im Zollernalbkreis bei diesem Projekt zusammengetan haben.

Der Bedarf an Fachkräften in diesem Bereich sei enorm, weiß auch Regina Birk. „Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis unsere zwölf Ehrenamtlichen die spezielle Fortbildung in Ludwigsburg absolviert haben.” Doch jetzt seien die fachlichen Vorbereitungen soweit geschaffen worden, dass im kommenden Schuljahr die ersten Klassen von diesem neuen Angebot profitieren könnten. Alle 45 Grundschulen im Zollernalbkreis seien bereits über die zuständige Schulbehörde angeschrieben worden. „Wir haben schon einige Rückmeldungen”, erklärt Häfele. „Aber uns ist natürlich auch bewusst, dass dieses Thema kein so einfaches ist und oft noch viel Erklärungsbedarf hat.”

Der Umfang von fünf Schultagen sei nur auf den ersten Blick viel, meinen Häfele und Birk unisono. „Wenn man sieht, wie behutsam unsere Ehrenamtlichen das Thema Stück für Stück aufarbeiten, wundert der zeitliche Aufwand kaum”, betont Birk und verweist auf das inhaltliche Programm.

Jeder Tag steht unter einem anderen Thema: „Werden und Vergehen”, „Krankheit und Leid”, „Sterben und Tod”, „Vom Traurig-sein” und „Trost und Trösten”. „Durch die intensive Betreuung in Kleingruppen entsteht ein Vertrauensverhältnis zwischen den Hospizmitarbeitern und den Kindern, damit offen über alle möglichen Fragen gesprochen werden kann”, sagt Häfele. Mithilfe von altersgerechten Geschichten, Bilderbüchern und Filmausschnitten würden die Themenschwerpunkte näher gebracht. „Bei uns wird aber auch gebastelt, gemalt und viele weitere Sachen gemacht, bei denen sich die Schüler einbringen können”, so Häfele. „Und die Kinder dürfen auch alles fragen, was sie interessiert”, meint die Koordinatorin. „Da kommt schon mal die Frage auf, wie sich beispielsweise ein Toter anfühlt.” Die Kinder würden zudem über verschiedene Religionen und deren Jenseitsvorstellungen sprechen. Am Ende der Projektwoche präsentieren die Dritt- und Viertklässler bei einem Abschlussfest schließlich ihren Eltern, was sie alles gelernt haben.

Weitere Informationen zum Projekt „Hospiz macht Schule” gibt es bei Regina Birk, Koordinatorin der Hospizgruppe Albstadt, hospizgruppe [at] sozialstationalbstadt [Punkt] de, Telefon 0151/50415292, und Silvia Häfele, Koordinatorin der ökumenischen Hospizgruppe Balingen, sihaefelehospiz@ web.de.

Aus: Schwarzwälder Bote vom 16.07.2019. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Frank Engelhardt, freier Journalist, Fotograf, PR-Redakteur.

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