Archiv aller Meldungen der Hospizgruppe Balingen

Wie wir besser Trost spenden

Mi, 22.02.2023

Genehmigung der Wiedergabe auf dieser Homepage durch die Journalistin Nicole Wieden

Alles klingt gestelzt, obwohl man es doch aufrichtig meint: Kondolieren und Trösten fällt den allermeisten Menschen schwer. Zwei Trauerbegleiter der Ökumenischen Hospizgruppe Balingen erklären, wie beides angemessen gelingt. Von Nicole Wieden

Es geschieht jeden Tag, zu jeder Stunde, und das überall: Das Sterben ist eine allgegenwärtige Sache, die wir um unserer eigenen mentalen Gesundheit willen hervorragend auszublenden verstehen. Bis es den Nachbarn, Freunde oder jemanden aus der eigenen Familie trifft. Wer nicht selbst in Trauer verfällt, findet sich in einer Situation wieder, in der es heißt, die richtigen Worte gegenüber den Angehörigen zu finden, das Richtige zu tun, weder zu aufdringlich noch zu distanziert zu sein. Ein Drahtseilakt, den uns keiner lehrt.

„Der Tod ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabu. Dabei ist es wichtig, über ihn sprechen zu können, und Trauer als etwas Normales zu betrachten“, sagt Trauerbegleiterin Ulrike Hoch. Nach drei Jahren Erfahrung in diesem Ehrenamt, zu denen zahlreiche Begegnungen im Balinger Generationenhaus während des Trauercafés gehören, hat Hoch gelernt, was hilft – und was eben nicht.

Das erste Signal

„Sie können erstmal davon ausgehen, dass der Trauernde genauso eine Scheu hat, wie Sie selbst“, erklärt Hoch über das Zögern, wenn es darum geht, vernünftig zu kondolieren. Dass man womöglich nicht die richtigen Worte findet, spiele keine große Rolle. Stattdessen gehe es darum, zunächst einmal die persönliche Verfügbarkeit zu signalisieren, denn: „Trauernde wollen häufig nicht zur Last fallen, insbesondere nicht in der eigenen Familie“, sagt Hoch. Das sei der Grund, weshalb die Trauerangebote der Hospizgruppe Balingen eben auch von Menschen mit eigentlich stabilen sozialem Netz angenommen werden.

Verfügbarkeit lasse sich nicht nur über die klassische Kondolenzkarte kommunizieren. Genauso gut eignen sich laut Hoch einige aufrichtige Worte an der Haustüre, ein Anruf, selbstgebackener Kuchen oder vielleicht sogar eine Einladung zum gemeinsamen Essen. Letzteres mag auf den ersten Blick zwar beinahe nach zu viel des Guten wirken – auch weil eine solche Verabredung unweigerlich Gesprächsraum schafft, der gefüllt werden will. Aus Ulrike Hochs Erfahrung aber reagieren Trauernde häufig positiv auf solche Bemühungen. Wer sich wegen fehlender Worte zunächst hilflos fühlt, solle authentisch bleiben und genau das auch zum Ausdruck bringen. Ohnehin gehe es im weiteren Verlauf weniger darum, selbst etwas zu sagen, wie Ulrike Hochs Kollege, Ulrich Häfele, erklärt: „Alle sozialen Situationen bergen das Risiko, falsch zu liegen. Das ist bei der Trauer nicht anders.“ Umso wichtiger also das Zuhören, um dann angemessen reagieren zu können.

Wie auch Ulrike Hoch absolvierte Ulrich Häfele seine Qualifizierungskurse vor drei Jahren. Zur Ausbildung gehört, sich unter anderem mit Theorie aus der Sozialwissenschaft zu befassen. Sowohl Häfele als auch Hoch aber sind überzeugt, dass keines der Trauerphasenmodelle sich in der Praxis tatsächlich bewährt: „Bei den Trauerphasen wird das Modell von Verena Kast häufig erwähnt. Man darf aber nicht davon ausgehen, dass diese Phasen einfach aufeinander abfolgen“, so Ulrich Häfele über das im Internet häufig geteilte Modell der Schweizer Psychologin.

Vielmehr bewegten sich Trauernde zwischen den Phasen hin und her, erlebten auch nach Monaten unvermittelt eine Trauer, wie sie in der Theorie eigentlich schon überwunden sein müsste. Dadurch entstehe ungesunder Druck, zumal die letzte Stufe unter dem Stichwort „Loslassen“ in der Regel auf inneren Widerstand stoße: „Trauernde haben große Angst, wenn sie das Wort ‚Loslassen‘ hören“, erzählt Ulrike Hoch. „Man möchte ja eigentlich nicht, dass der Verstorbene ganz aus dem Leben verschwindet.“ Auch übergriffige Ratschläge oder die Phrase, dass die Zeit doch alle Wunden heile, erzeugten maximales Unbehagen: „Das ist ein echter Killersatz, den man nicht bringen sollte“, ergänzt Ulrich Häfele.

Kondensiert auf einen wesentlichen Ratschlag legen beide Trauerbegleiter nahe, durch gutes Zuhören die Signale eines Betroffenen ernst zu nehmen: „Trauernde sind in jeder Phase zu erreichen“, so Ulrike Hoch. „Man muss herausfinden, auf welcher Ebene sich der Mensch gerade bewegt. Und auf derselben muss man ihm dann begegnen.“


Trauercafè in neuer Geschäftsstelle

An jedem 3. Freitag im Monat findet das Trauercafè von 15-17 Uhr in den Räumlichkeiten Alter Markt 16 in Balingen statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Im November beginnt die nächste Trauergruppe, die zweimal im Jahr organisiert wird. Es handelt sich um acht Abendtermine. Hierfür ist vorab eine Anmeldung nötig, weil der Umgang mit Trauer in einer festen Gruppe erlernt wird. Anmeldung unter Telefon (0151) 41 27 07 27.

In der Hospizgruppe engagiert sich ein Team von ausgebildeten TrauerbegleiterInnen, die der Schweigepflicht unterliegen.
In Deutschland ist die Trauerausbildung nicht einheitlich geregelt und wird von unterschiedlichen Trägern angeboten, die untereinander vernetzt sind. Einen Überblick bietet der Hospiz- und Palliativverband Baden Württemberg online unter der Adresse: www.hpvbw.de.

Weitere Infos
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Eröffnung Hospiz Haus Johannes in Sigmaringen 2022

Mi, 22.02.2023

Im Oktober 2022 wurde in Sigmaringen das neu erbaute Hospiz Haus Johannes mit 8 Betten eröffnet und in Betrieb genommen. In einer gemeinsamen Aktion am Tag der offenen Tür haben sich die ambulanten Hospizdienste und die Kinder- und Jugendhospizdienste beider Landkreise interessierten Besuchern vorgestellt. Um der Verbundenheit mit dem Hospiz Haus Johannes Ausdruck zu geben, wurde zudem ein Ginko im Garten des Hospizes gepflanzt. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen des Hospizes. Die neue Adresse und die Kontaktdaten Hospiz Haus Johannes: 

Hospiz Sigmaringen – 
Haus Johannes 
St. Elisabeth-Stiftung

Bittelschießer Str. 21
72488 Sigmaringen
Tel.: 07571 68973-0 
Fax: 07571 68973-20
E-Mail: hospiz-johannesatst-elisabeth-stiftung.de 
Website: https://www.st-elisabeth-stiftung.de/wohnen-und-pflege/hospize/hospiz-j… 

Weihnachtsfeier 2022

Mi, 22.02.2023

Unsere Weihnachtsfeier Anfang Dezember 2022 im Haus Bittenhalde war wieder ein besonderer Abend. In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal auch der begleiteten Verstorben des Jahres 2022 mit einer kleinen Gedenkfeier bedacht.

Fortbildung Kloster Kirchberg 2022

Mi, 22.02.2023

Der Klinikclown Christoph Gilsbach führte uns sehr einfühlsam in das Thema „Humor in der Sterbebegleitung ein“. Neben viel Spaß war auch viel Ernsthaftes Thema und schnell wurde deutlich, dass für den Humor dieselben Voraussetzungen nötig sind, wie für die Sterbe- und Trauerbegleitung. Auch die Vorstellung des Pantomimentheaters „LEBEN und TOD“ in Hechingen nahm uns mit auf eine besondere und anrührende Lebensreise. An Ostern 23 tritt H. Gilsbach mit seinem Stück „Passion“ in Hechingen auf. 

Der Tod als Teil des Lebens: Ökumenische Hospizgruppe Balingen feiert Gottesdienst zum Jubiläum

Fr, 30.09.2022

9.08.2022

Pfarrer Christof Seisser segnete beim Jubiläumsgottesdienst die Ehrenamtlichen der Balinger Hospizgruppe in der Heilig-Geist-Kirche. 

Die Hospizgruppe Balingen leistet sein 25 Jahren einen wertvollen Dienst. Die Ehrenamtlichen begleiten Sterbende sowie deren Angehörige und sind aus dem sozialen Gefüge der Stadt Balingen nicht mehr wegzudenken. Im Reigen der Jubiläumsveranstaltungen, die coronabedingt teils verschoben wurden, wurde unlängst ein Gottesdienst gefeiert, bei dem einmal mehr deutlich wurde, dass der Tod ein Teil des Lebens ist.

Vor kurzem feierte die Ökumenische Hospizgruppe in Balingen zum Abschluss ihrer Veranstaltungen zum Jubiläum des 25-jährigen Bestehens einen festlichen Gottesdienst in der katholischen Heilig-Geist-Kirche in Balingen. 

Die beiden Pfarrer, Wolfgang Braun von der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist, und Christof Seisser, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Heselwangen-Balingen und Mitbegründer der Balinger Hospizgruppe, leiteten die Liturgie. Birgit Schafitel-Stegmann, ebenfalls Mitbegründerin der Hospizgruppe, trug in der Schriftlesung die beeindruckenden Worte des 90. Psalms der Bibel vor: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. 

Der Tod kann auch freundlich zu den Menschen kommen 

Pfarrer Seisser betonte in seiner Predigt, dass es neben dem manchmal nicht leichten Lebensende auch so sein kann, dass der Tod freundlich zu Menschen kommt, die alt sind und die ihr Leben gelebt haben. Er zitierte den Philosophen Friedrich Nietzsche: „Durch die sichere Aussicht auf den Tod könnte jedem Leben ein köstlicher, wohlriechender Tropfen von Leichtsinn beigemischt sein …“ und verknüpfte dessen Gedanken mit dem Psalmvers, so dass es für ihn auf Lebensklugheit, Weisheit und den Geschmack für das Leben ankommt. 

Was ist wichtig im Leben? Mit einem Nachtischlöffel verdeutlichte Seisser, dass es zwar gut ist, zu tun, was einem selbst wichtig ist im Leben, aber auch darauf zu vertrauen, dass noch etwas kommen wird. Der christliche Glaube schenkt diese Zuversicht. 

Vier Hospizgruppen im Landkreis 

In seinem Grußwort dankte Landrat Günther-Martin Pauli den Gründern und Ehrenamtlichen für ihren Dienst. Die Hospizarbeit ist im Zollernalbkreis mit insgesamt vier aktiven Gruppen in Hechingen, Albstadt, Meßstetten und eben in Balingen sehr gut aufgestellt, und auch der Kinder- und Jugendhospizdienst, den die Balinger Gruppe anbietet, wird nachgefragt. 

Balingens Oberbürgermeister Helmut Reitemann verknüpfte seinen Dank sichtbar mit einem Becher mit dem Motiv der Gartenschau für alle Ehrenamtlichen in der Balinger Hospizgruppe, so dass sie auch dort immer ihren Nachtischlöffel hineinstellen können, wie er mit einem Augenzwinkern anmerkte. 

Die Hospizgruppe ist aus dem sozialen Gefüge der Stadt Balingen nicht mehr wegzudenken, und die Konstanz, mit der Birgit Schafitel-Stegmann und Pfarrer Christof Seisser die Gruppe seit über 25 Jahren leiten, sucht im Land ihresgleichen, lobte Reitemann. Ebenfalls dankte er den Koordinatoren Silvia Häfele und Eduard Maass für ihre langjährigen Dienste. 

Hospizgruppe beteiligt sich an Gartenschau 

Dass die Hospizgruppe bei der Gartenschau mit einer Ausstellung in der Friedhofkirche und einem Aktionsprogramm zum Malen von sogenannten Seelenbrettern aktiv ist, ist vor allem der kreativen Initiative der Balinger Koordinatorin zu verdanken. 

Im Gottesdienst wurden dann die Namen aller ehrenamtlich Mitarbeitenden verlesen und die Anwesenden bekamen von Pfarrer Seisser am Altar mit einer Rose ein Segenswort für ihren Dienst zugesprochen. Der festliche Gottesdienst wurde von Kirchenmusiker Alexander Rohn und den Vokalensemble Voices, Hearts and Souls unter der Leitung von Juandalynn R. Abernathy begleitet. 

Anschließend gab es bei einem Stehempfang im katholischen Gemeindehaus Gelegenheit zur Stärkung und zum Austausch. 

Hospiz im Zollernalbkreis: Mitarbeiterinnen gehen in die Schule

Fr, 30.09.2022

Untertitel
Artikel Schwabo online

Bernd Ullrich 21.08.2022 - 11:14 Uhr 

"Hospiz macht Schule" – Dieses gemeinsame Projekt der drei Hospizgruppen Albstadt, Balingen und Hechingen an Grundschulen soll nach den Schulferien wieder fortgeführt werden.

Hechingen - Bei einem Treffen zogen Mitarbeiterinnen der Hospizgruppen aus Balingen und Albstadt sowie der Hospizgemeinschaft Hechingen im Hechinger Friedhofscafé nach einer Rückschau Bilanz.

"Dieses Projekt ist mir eine Herzensangelegenheit", war von vielen Seiten zu hören. "Die Reaktionen der Kinder, der Lehrerinnen und Lehrer und der Eltern sind durchweg positiv gewesen", war ein Fazit.

Erstaunt und angenehm überrascht zeigten sich die Hospizmitarbeiterinnen über die Offenheit, die Wissbegier und die Unbekümmertheit, mit der die Grundschulkinder in der Vergangenheit sich des Themas annahmen. Wenn sich etwas als zu schwer erwies oder nicht behagte, nicht ankam, wurde dieser Punkt ausgeklammert und unter Umständen bei anderer Gelegenheit wieder aufgegriffen.

Eltern werden einbezogen

"Natürlich wurde auf die kindliche Sicht der Dinge Rücksicht genommen", wurde in der Runde betont Ein Leistungsdruck in jeglicher Form sollte vermieden werden. Als wichtig erachtet wurde die Einbeziehung der Eltern. So gebe es Elternabende vor und nach den Projekten.

Unterstützung durch Sponsoren

Und wie sehen die Hospiz-Mitarbeiterinnen die Arbeit mit den Kindern? "Sie ist zwar anstrengend, aber wirklich schön, und mehr noch ist sie eine Erfüllung!" Dank Spenden und Sponsoren kämen auf die Schule keine Kosten in dieser Projektwoche zu, wurde beim Treffen nochmals betont. Dadurch seien auch andere Veranstaltungen möglich wie am Donnerstag, 8. September, ab 19 Uhr im Ebinger Gemeindehaus Spitalhof 10 eine musikalisch umrahmte Lesung mit Petra Frey zum Buch "Sterbemund tut Wahrheit kund".



 

Clownin begeistert in Balingen

Di, 31.05.2022

Untertitel
Zuschauer staunen, rätseln, sind überrascht

Die Clownin Gardi Hutter bescherte den Zuschauern in der Balinger Stadthalle einen besonderen Abend – es war der Auftakt des Jubiläumsjahr des Fördervereins der ökumenischen Hospizarbeit Balingen.

Balingen - Dieses knuddelige, vor sich hin brabbelnde und spitze Schreie ausstoßende Wesen in seinem Tun zu beobachten macht nicht nur Spaß und löst infantiles Kichern aus. Denn die Zuschauer in der Stadthalle erschrecken sich auch gelegentlich. Sie staunen, rätseln, sind überrascht. Denn jede Sekunde geschieht etwas, das sich nicht so genau einordnen, offenbar völlig sinnfrei ist und Spielraum für die eigene Phantasie lässt

So agieren dürfen nur Clowns

So auf der Bühne agieren dürfen nur Clowns. Und erst recht eine Clownin vom Format einer Gardi Hutter. Das knapp 80 Minuten dauernde, clowneske Theaterstück der Schweizer Künstlerin trägt den Titel "Die Schneiderin". Für dieses Handwerk sind Nadel, Faden, Stoffe, Scheren und Schneiderpuppen unerlässlich. Was sich mit diesen Utensilien aber alles anstellen und Geschichten über das Leben und den Tod erzählen lässt, das kann nur eine Clownin. Denn nur diese kann schon mal probieren, wie es sich anfühlt beim Übertritt. Dann, wenn sie mitten auf ihrem großen Schneidertisch eine Klappe öffnet, verlockend schöne Musik erklingt, es ganz hell wird und Nebel aufsteigen. Nein, noch nicht, entscheidet sie. Und wirft die Klappe mit Karacho wieder zu.

Auf die Bühne gelockt

Das können viele Sterbende nicht, die von den 64 Menschen der ehrenamtlichen Hospizgruppen Balingen und Meßstetten begleitet werden. Seit 20 Jahren unterstützt sie dabei der Förderverein der ökumenischen Hospizarbeit Balingen. Das Clowntheater bildete den Auftakt des Jubiläums. Und es gab viel zu jubeln wie über den Zuschauer, der von der schneidernden Clownin von seinem Sitzplatz auf die Bühne gelockt wurde. Und was passiert?

Nichts, zunächst. Beide rücken sich näher, zappeln ein wenig, schauen, lächeln. Doch plötzlich verschwindet die kugelrunde Clownin im Bühnendunkel und von Band röhrt Joe Cockers Stimme mit "You Can Leave Your Hat On", also einem der bekanntesten Striptease-Songs.

Kugelrunder Bauch, voluminöses Hinterteil

Im Halbdunkel ist zu sehen, dass dies nun auch die Schneiderin versucht – mehr oder weniger lasziv. Denn so einfach lassen sich die Schichten ihrer Kleidung über den kugelrunden Bauch und das voluminöse Hinterteil nicht voreinander trennen. Sie ist so vertieft, dass sie gar nicht merkt, dass sich der Zuschauer auf Zehenspitzen auf und davon macht. Das ist nun wirklich komisch.

Doch andere Szenen sind erschreckend, wie die riesige Schneiderschere oben in den strubbeligen hellen Haaren: die Schere im Kopf? Das assoziiert dieses Bild und es fallen einem viele Beispiele ein, besonders in diesen Zeiten. Doch die Schneiderin verrichtet ihr Tagwerk, als ob nichts geschehen wäre.

Aber woher kommt urplötzlich das schwebende, schwimmende, tanzende, oft höhnisch kichernde, weißgewandete, kugelrunde Gelichter auf einem großen Spiegel? Dieses ist der tapferen, rührigen, fleißigen Schneiderin immer einen kleinen Schritt voraus an Leichtigkeit, Leichtsinn, Frohsinn. Ist das vielleicht deren Alter Ego?

Am Ende "Tabula rasa"

Viel Zeit für Überlegungen bleibt nicht. Eine Rose verliert ihre Blätter, von einem Kleid fallen die Verzierungen ab. Die Zuschauer lachen über die riesigen Nadeln, die die Schneiderin bei jedem Stich stechen und sie so eifrig nadelt, dass sie eine davon verschluckt. Doch im fahrbaren Nähkästchen gibt es einen Magneten, der das Malheur behebt. Und noch manches andere mehr. Die großen Garnrollen sind nämlich nur eine Tarnung für allerlei hochgeistige Getränke. Es lässt sich mit ihnen auch spielen und sprechen. Sie umgarnen die Schneiderin, die am Schluss "Tabula rasa" macht mit ihren geschneiderten Werken- dem Festkleid, Frack, Kinderkleid. Diese sind über Schneiderpuppen gestülpt, schweben an dünnen Fäden auf einer Art Karussell und werden nun heruntergerissen. Das Lebenskarussell steht still. Die knuddelige Clownin lacht.

Zollern-Alb-Kurier, Balingen, Barbara Szymanski 25.03.2022

Laudatio und Verleihung der Bürgermedaille an Frau Schafitel-Stegmann

Di, 24.05.2022

Ja, meine sehr verehrten Damen und Herren, am heutigen Abend habe ich die Ehre, nicht nur eine, sondern gleich zwei starke Balinger Frauen mit der Bürgermedaille auszuzeichnen, und so wende ich mich nun an Sie,

Liebe Frau Schafitel-Stegmann,

mit Ihnen ehren wir heute eine Frau, welche sich in ganz besonderer Weise im sozialen Bereich verdient gemacht hat. Einen großen Teil Ihres Engagements haben Sie dabei in einem Bereich geleistet, welcher von manchen Menschen gerne verdrängt oder tabuisiert wird, nichtsdestotrotz, oder vielleicht gerade deshalb, aber unglaublich wichtig ist: nämlich im Bereich der Trauer- und Hospizarbeit.

Auf diesem Gebiet erwiesen Sie sich in Balingen als echte Pionierin, denn bereits im Jahre 1996 gründeten Sie, gemeinsam mit Herrn Pfarrer Christof Seisser, die Ökumenische Hospizgruppe in Balingen, welche Sie, gemeinsam mit Herrn Seisser, nun bereits seit über 25 Jahren leiten. Seit 2001 sind Sie zudem 2. Vorsitzende des Fördervereins der Hospizgruppe und übten zeitweise kommissarisch auch das Amt der Ersten Vorsitzenden aus.

Seit der Gründung der Hospizgruppe Balingen hat diese einen stetigen Aufschwung erfahren. Wurde das Angebot der Sterbebegleitung zu Beginn noch sehr verhalten angenommen, hat sich die Ökumenische Hospizgruppe in Balingen mittlerweile fest als Institution etabliert und ihr Angebot wird inzwischen rege frequentiert.

Auch personell erfuhr die Gruppe ein stetiges Wachstum, so sind derzeit 68 Ehrenamtliche in der Trauerarbeit engagiert und versorgen die Bereiche Balingen, Geislingen, Rosenfeld sowie das Obere Schlichemtal.

Die Arbeit der Ökumenischen Hospizgruppe haben Sie im Rahmen Ihres Engagements maßgeblich vorangetrieben, weiterentwickelt und positiv geprägt und konnten hierbei auch auf ein umfangreiches Fachwissen bauen, welches Sie sich im Laufe der Jahre durch die erfolgreiche Absolvierung von Multiplikatoren- und Weiterbildungskursen angeeignet haben.

Inzwischen leiten Sie, im Tandem mit Herrn Seisser, selbst den nun schon 12. Ausbildungskurs und vermitteln hier Ihr Wissen über jeweils 10-monatige Kurse und über insgesamt 200 Abende an über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Darüber hinaus geben Sie, gemeinsam mit der Koordinatorin Silvia Häfele, sogenannte „Letzte-Hilfe-Kurse“, dabei handelt es sich sozusagen um ein „kleines 1 x 1 der Sterbebegleitung“ für Jedermann und Jedefrau.

Liebe Frau Schafitel-Stegmann,

die überaus positive und erfreuliche Entwicklung der Ökumenischen Hospizgruppe und allgemein der Trauer- und Hospizarbeit in Balingen ist dabei maßgeblich Ihr Verdienst und wäre ohne Ihre Person schlicht nicht denkbar gewesen.

Denn Sie widmen sich bereits seit vielen Jahren und Jahrzehnten dieser Arbeit, welche mit Sicherheit zu den schwersten Ehrenämtern überhaupt gehört. Ein solches Ehrenamt erfordert großen Mut, insbesondere, da Themen wie Sterben, Trauer oder Tod in unserer heutigen Zeit ja gerne als Tabuthemen angesehen werden. Großen Mut erfordert dieses Ehrenamt aber auch, da sich eine solche Arbeit mit den weniger schönen Seiten des Lebens, wie Krankheit, Traurigkeit oder der Bewusstwerdung der eigenen Endlichkeit und der Endlichkeit seiner Mitmenschen befasst.

Und daher ist es bewundernswert, mit wieviel Leidenschaft, Mitgefühl und Nächstenliebe Sie dieses zuweilen sehr schwere Ehrenamt ausüben, das ja auch sehr oft völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit stattfindet. Sie selbst sagen dabei, dass sie die Erfahrungen dieses Engagements bereichert haben und mit großer Dankbarkeit erfüllen. So sehr, dass Sie nie das Gefühl verspürt hätten, dass Ihnen diese Tätigkeit zu viel wird, dass Sie sie nicht mehr ausüben könnten oder wollten. Und das verdient unseren höchsten Respekt!

Zusätzlich zu diesem überragenden Engagement engagieren Sie sich aber auch kirchlich. So führten Sie ab Mitte der 1990er-Jahre bis zum Jahr 2009 Kommunionsbegleitung und –vorbereitung durch und brachten sich in die Organisation von Kommunionfreizeiten sowie zeitweise auch Firmgruppen ein. Weiter gründeten Sie 2005 die Gruppe „Neuer Weg“, welche Kindern und Jugendlichen eine Wegbegleitung im Glauben von der Kommunion bis zur Firmung anbietet. Darüber hinaus waren Sie zudem für einige Zeit Mitglied im Pastoralausschuss.

Liebe Frau Schafitel-Stegmann,

Ihr Engagement ist schlichtweg bewundernswert und es freut mich sehr, dass Sie Ihre wertvolle Arbeit hoffentlich noch für lange Zeit forstsetzen möchten. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen deshalb noch viele weitere bereichernde Begegnungen, alles Gute und vor allem viel Gesundheit!

In Würdigung und Anerkennung Ihrer Verdienste im Ehrenamt darf ich Ihnen nun die Bürgermedaille der Stadt Balingen überreichen und darf Sie bitten, hierfür zu mir nach vorne zu kommen.


Foto und Laudatio: Stadtverwaltung Balingen

Fortbildung der ökumenischen Hospizgruppe Balingen im Kloster Kirchberg

Mo, 17.01.2022
 

In diesem Jahr fanden unsere Fortbildungstage mit 35 Hospizlerinnen und Hospizler im Kloster Kirchberg statt. Unser Thema "Die Trauer beginnt" führte die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen an eine besondere Zeit heran. In einer Sterbebegleitung ist die beginnende Trauer oft auch schon vor dem Tod zu spüren und die Zeit kurz nach dem Tod für alle betroffenen Menschen eine besondere und für die Trauer wichtige Zeit. Die Referentin Birgit Endres aus Tübingen leitete die Gruppe theoretisch und praktisch anwendbar sehr feinfühlig und umfassend an diese Zeit heran. Fotos privat.

 
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